Arbeitssuchende Akademiker aus Südeuropa lernen dank der Metzler-Stiftung Deutsch

Stipendium öffnet Türen

21.1.2017

Von Hans Riebsamen, FAZ

Alexandros aus Griechenland hat einen Masterabschluss als Bauingenieur. Doch der Siebenundzwanzigjährige findet in seinem Heimatland einfach keine Stelle, denn dort herrscht auf dem Bausektor Flaute. Alexandros würde gerne in Deutschland arbeiten, hier sind Bauingenieure sehr gefragt. Aber dafür muss er Deutsch können.

Seit dem 9. Januar lernt er diese Sprache in Frankfurt beim Goethe-Institut. Das ist nur deswegen möglich, weil er ein "d.eu.tsch-Stipendium für junge Europäer" erhalten hat. Dadurch kann er gemeinsam mit 14 anderen Stipendiaten vier Monate lang am hiesigen Goethe-Institut deutsche Wörter, Formen und Grammatik büffeln. Und natürlich auch Konversation üben. Denn die Teilnehmer kommen nicht nur aus Griechenland, sondern auch aus Italien, Portugal und Spanien. Es wird ihnen empfohlen, sich möglichst auf Deutsch zu verständigen. Erfunden hat das Sprachprogramm vor fünf Jahren die Metzler-Stiftung, die dabei mit dem Goethe-Institut und inzwischen auch mit vielen weiteren Partnern kooperiert. Es richtet sich an arbeitssuchende junge Leute aus südeuropäischen Krisenländern mit hoher Jugendarbeitslosigkeit. Sie sollten einen Studienabschluss in einem naturwissenschaftlichen oder technischen Fach beziehungsweise in Medizin haben.

Die Überlegung dahinter: In diesen Ländern gibt es gutqualifizierte Männer und Frauen, hierzulande werden Fachkräfte gesucht. Warum also sollen die jungen Leute nicht eine Karriere in Deutschland beginnen? Die bisherigen Erfahrungen belegen, dass das Konzept funktioniert. 67 Stipendiaten haben in den vergangenen vier Jahren schon den Sprachkurs durchlaufen. Praktisch alle schafften die Prüfung für das C1-Niveau, das heißt, sie können anspruchsvolle Texte auf Deutsch lesen und die Sprache flexibel gebrauchen. Noch wichtiger ist, dass mehr als 90 Prozent der Teilnehmer es danach geschafft haben, eine ihren Qualifikationen gemäße Anstellung zu finden. Die meisten bekamen in Deutschland einen Job, manche aber auch in ihren Heimatländern, in Österreich, der Schweiz oder sogar beim Europäischen Parlament in Brüssel, wie die Metzler-Stiftung berichtet.

Auf Bewerbungen bei deutschen Unternehmen bereitet die Arbeitsagentur die Stipendiaten während des viermonatigen Sprachkurses vor. Darüber hinaus hilft jedem Teilnehmer ein Mitarbeiter der Metzler-Bank ehrenamtlich beim Einleben in Deutschland. Dieses Mentoring wird fachlich begleitet von der Organisation "berami - Berufliche Integration".

Die Portugiesin Marta hat im vergangenen Jahr ihr deutsches Sprachzertifikat mit Hilfe des Stipendiums erworben. Demnächst beginnt die Neunundzwanzigjährige ihre Ausbildung zur Fachärztin für Dermatologie in Dortmund. Sie macht den derzeitigen Teilnehmern Mut: "Dieses Stipendium ist eine einmalige Chance im Leben - es öffnet Türen."

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Dieser Artikel erschien in der F.A.Z., 21.01.2017, Frankfurt (Rhein-Main-Zeitung), Seite 42 - Ausgabe R-DA, R-WI, R-MK, R-HT, R-F 

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