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Werbeinformation der Metzler Asset Management GmbH - 17.4.2026 - Edgar Walk

Die Wahl in Ungarn als Chance für die EU

Die Zukunft der EU erscheint nach der Wahl in Ungarn etwas freundlicher: nicht konfliktfrei, aber robuster. Mit der Abwahl Viktor Orbáns nach 16 Jahren fällt eine Stimme weg, die regelmäßig ein Veto einlegte. Zugleich bestätigt das Wahlergebnis einen breiteren Trend: Europas Integrationsprojekt ist politisch widerstandsfähiger, als es vor dem Hintergrund von Brexit, Trump und Krieg lange schien. Das zeigt sich nicht nur daran, dass kein weiteres Land die EU verlassen hat, sondern auch an der Stimmung in der Bevölkerung: Laut Eurobarometer vertrauen 51 Prozent der Europäer der EU, der höchste Wert seit 2007. Die Zustimmung zum Euro liegt mit 74 Prozent in der EU insgesamt und 81 Prozent im Euroraum auf Rekordniveau. In diesem Sinn bestätigt die Ungarn-Wahl die Resilienz der Union.

Die zentrale Frage lautet nicht mehr primär, ob die EU politisch auseinanderfällt, sondern ob sie ihre neugewonnene politische Stärke in ökonomische Dynamik, strategische Handlungsfähigkeit und sicherheitspolitische Glaubwürdigkeit übersetzen kann. Orbáns Niederlage erleichtert das, sie ersetzt jedoch keine Reform.

Der Wahlausgang in Ungarn dürfte ein Fenster für eine bessere Handlungsfähigkeit der EU öffnen. Der Machtwechsel in Budapest reduziert zunächst vor allem einen politischen Unsicherheitsfaktor, der zuletzt bei der Ukraine-Politik, den Russland-Sanktionen und zentralen Kompromissen auf EU-Ebene immer wieder blockierend wirkte. Für die EU steigt damit die Chance auf mehr strategische Geschlossenheit. In einer Welt mit größeren geopolitischen Herausforderungen wird die Glaubwürdigkeit der EU zunehmend daran gemessen, ob sie Finanzierung, Verteidigung und außenpolitische Entscheidungen tatsächlich auch umsetzen kann.

Eine Abschaffung des Einstimmigkeitsprinzips wäre ein erstes wichtiges Reformvorhaben, sodass kein einzelnes Land mehr eine komplette Blockade-Politik betreiben kann. Zwar erlauben Passerelle-Klauseln in bestimmten Bereichen einen Übergang zu Mehrheitsentscheidungen, ohne die Verträge formell neu zu schreiben. Aber auch dafür ist zunächst Einstimmigkeit erforderlich. Die Zukunft Europas hängt damit weniger an einer großen Vertragsreform sondern vielmehr an der Fähigkeit, innerhalb des bestehenden Rahmens pragmatischer, schneller und politisch konsequenter zu handeln.

Auch bei Reformen zur Stärkung des Binnenmarkts ist ein Fortschritt wahrscheinlicher geworden, allerdings liegt dies nicht allein an Ungarn. Der Europäische Rat hat im März 2026 mit „One Europe, One Market“ einen konkreten Fahrplan zur Stärkung von Wettbewerbsfähigkeit, wirtschaftlicher Sicherheit und strategischer Autonomie beschlossen; umgesetzt werden soll er weitgehend bis Ende 2027. Das Forschungsinstitut Bruegel aus Brüssel argumentiert seit längerem, dass die größten Wachstumsgewinne nicht aus immer neuen EU-Gipfeln, sondern aus besserer Durchsetzung und gezielter Harmonisierung des Binnenmarkts kommen — vor allem bei Dienstleistungen und regulierten Berufen. Dort sind die verbleibenden nichttarifären Hürden – also Handelshemmnisse, die nicht aus Zöllen herrühren – noch immer so hoch, dass der EU-Binnenhandel deutlich hinter der Intensität des Handels zwischen US-Bundesstaaten zurückbleibt. Gerade hier wird sich entscheiden, ob Europas politische Resilienz irgendwann auch wieder in höhere Produktivität übersetzt werden kann.

Die Schlussfolgerung lautet also: Die Wahl in Ungarn macht die EU nicht automatisch stärker, aber sie macht eine stärkere EU wahrscheinlicher. Sie reduziert Blockaderisiken, verbessert die Chancen auf mehr Geschlossenheit bei der Unterstützung der Ukraine und verschiebt den politischen Fokus wieder auf die eigentlichen Zukunftsfragen Europas: Wettbewerbsfähigkeit, Investitionen, Binnenmarkt und strategische Handlungsfähigkeit. Die EU wirkt heute widerstandsfähiger, als viele in der Brexit-Ära erwartet hätten. Aber ihre Zukunft entscheidet sich nicht daran, ob ein Störer verschwindet, sondern daran, ob sie ihre ökonomischen Schwächen nun tatsächlich angeht.

Immerhin scheinen die Finanzmärkte dem europäischen Projekt wieder mehr Zutrauen zu geben. In den vergangenen Tagen war eine merkliche Aufwertung des Euro gegenüber dem US-Dollar zu beobachten. Währungsbewegungen spiegeln auch immer die relative politische Attraktivität von Wirtschaftsräumen wider.

Euro im Aufwind
Wechselkurs des Euros gegenüber dem US-Dollar

Quellen: Bloomberg, Metzler; Stand: 14.4.2026

Wie widerstandsfähig ist die europäische Wirtschaft?

Wichtige Konjunkturdaten wie der ZEW-Index am Dienstag, die Einkaufsmanagerindizes am Donnerstag und der ifo-Index am Freitag werden zeigen, wie stark der Krieg im Nahen Osten die europäische Wirtschaft belastet. Auch dürfte in diesem Zusammenhang die Entwicklung des Konsumentenvertrauens am Mittwoch interessant werden. Der Internationale Währungsfonds ist überraschend optimistisch in seinem aktuellen „World Economic Outlook“ für die Eurozone und erwartet ein Wirtschaftswachstum von 1,1 Prozent in diesem Jahr und sogar von 0,8 Prozent für Deutschland. 

Wie sind die Perspektiven für die Staatsanleiherenditen?

Zur Prognose der Renditen von 10-jährigen US-Staatsanleihen und Bundesanleihen verwenden wir einfache Regressionsmodelle. Die Inputfaktoren sind der Leitzins, die Konjunkturerwartungen und die Inflation. Diese Variablen projizieren wir in die Zukunft.

US-Staatsanleihen: Angemessene Rendite liegt bei etwa 4,5 Prozent
In %

Quellen: Bloomberg, Metzler; Stand: 31.3.2026

Für die USA unterstellen wir einen unveränderten Leitzins bis Jahresende, stabile Konjunkturerwartungen und eine steigende Inflation. Damit ergibt sich ein angemessenes Renditeniveau von etwa 4,5 Prozent bis Jahresende. Historisch waren die Abweichungen der tatsächlichen Rendite vom Modellwert jedoch immer wieder immens. Das Modell gibt somit nur einen groben Richtungswert an. Bei einem sehr guten Modell kehrt über die Zeit die tatsächliche Rendite immer wieder zum Modellwert zurück – die Grafik zeigt deutlich, dass dies bei unserem Modell erfüllt ist.

Bundesanleihen: Angemessene Rendite liegt bei etwa 2,7 Prozent
In %

Quellen: Bloomberg, Metzler; Stand: 15.4.2026

Anders sieht es beim Modell für Bundesanleihen aus: Die Eintrübung der Konjunkturerwartungen hätte eigentlich einen Rückgang der Rendite bis auf 2,0 Prozent im April zur Folge haben müssen. Das Gegenteil ist jedoch passiert. Bis Jahresende unterstellen wir zwei Leitzinserhöhungen der EZB auf 2,5 Prozent, eine Erholung der Konjunkturerwartungen und eine Beschleunigung der Inflation. Laut dem Modell ergibt sich daraus ein angemessenes Renditeniveau von etwa 2,7 Prozent im Dezember 2026. Das heißt, die aktuell merklich höhere Rendite (im Vergleich zum Modellwert) signalisiert eine neue zusätzliche Risikoprämie – vielleicht eine Folge der hohen Inflation aus dem Jahr 2022 und der damit verbundenen neuen Sensibilität in Bezug auf Inflationsrisiken. Grundsätzlich zeichnen die Modelle aber ein konstruktives Bild für die Anleihemärkte mit der Chance einer Outperformance von Bundesanleihen zu US-Treasuries.  

Edgar Walk
Edgar Walk

Chefvolkswirt , Metzler Asset Management

Edgar Walk arbeitet seit 2000 bei Metzler. Als Chefvolkswirt im Bereich Asset Management ist er für die volkswirtschaftlichen Prognosen verantwortlich. Aufgrund seiner engen Zusammenarbeit mit dem Portfoliomanagement liegt sein Fokus neben der volkswirtschaftlichen Analyse verstärkt auf Kapitalmarktthemen. Vor seiner Anstellung bei Metzler studierte Herr Walk in Tübingen Volkswirtschaftslehre mit dem Schwerpunkt Regionalstudien Ostasien und Japan. Zur Vertiefung seiner Studien verbrachte er ein Auslandssemester an der Doshisha-Universität in Kyoto (Japan). Am Institut für Weltwirtschaft in Kiel absolvierte er anschließend den Aufbaustudiengang „Advanced Studies in International Economic Policy Research“.

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