„Uns eint die Überzeugung, dass wir etwas gegen das Artensterben unternehmen müssen“

15.8.2019

Dr. Stephanie Kalberer besetzt seit Juli 2019 die Traineestelle als „Frankfurt Spring School Coordinator“. Sie war selbst Teilnehmerin der Spring School im März 2019 und Teil des Social-Media-Teams, das freiwillig und engagiert Inhalte für den Blog und die Website der Spring School beisteuerte.

Seit Beginn ihres Biologiestudiums in der Schweiz hat Stephanie Kalberer an vielen Forschungs- und Naturschutzprojekten weltweit mitgewirkt – von Norddeutschland über Südafrika, Westaustralien bis nach Québec. Zuletzt untersuchte Sie für ihre Doktorarbeit die Lebensgeschichte, Demographie und Populationsdynamik der gefährdeten Seelöwen auf Galápagos. Ihre Untersuchung soll zukünftige Entscheidungen im Naturschutzmanagement erleichtern. Stephanie Kalberer hat zehn Jahre Managementerfahrung gesammelt: an einer Hochschule, in einer Biotech-Firma und als Studentische Unternehmensberaterin. 
 

Frankfurt Spring School: Gruppenfoto
Teilnehmer der Spring School 2019 mit Dr. Stephanie Kalberer (untere Reihe, 2. v. r.) © Kirstin Ulrichs/FZS

Wie haben Sie von der Frankfurt Spring School gehört, und warum haben Sie sich beworben?
Zufällig durch einen Tweet der Zoologischen Gesellschaft Frankfurt. Beworben habe ich mich, weil ich schon lange auf der Suche nach einer Weiterbildung war, die Naturschutz und Projektmanagement verbindet. Denn die Universität Bielefeld, an der ich meine Promotion im Fachbereich Populationsökologie gemacht habe, bot vergleichbare Kurse nicht an. Ich habe mich dann sehr gefreut, eine der 24 Teilnehmerinnen und Teilnehmer der Spring School 2019 zu sein, und habe viel gelernt.

Was ist das Besondere an der Frankfurt Spring School?
Die Frankfurt Spring School on Conservation Project Management, wie sie offiziell und mit vollem Namen heißt, ist ein in Deutschland und auch Europa einzigartiger Intensivkurs für Studierende, die später in Naturschutzprojekten arbeiten wollen. Im Laufe von vier Wochen geben Naturschutzexperten einen Teil ihrer Management- und „soft skills“ an Studierende und junge Naturschützer weiter – beispielsweise in Kursen darüber, wie man Fördermittel beantragt, wie man Naturschutzprojekte plant oder in Kommunikationsworkshops. Es geht also vor allem um Themen, die in den einschlägigen Studiengängen wie Biologie oder Naturschutz meist nicht vorkommen. 

Klimawandel, Umweltzerstörung und der Verlust an Artenvielfalt und Lebensräumen sind die großen Herausforderungen unserer Zeit. Um Lösungen zu finden, brauchen wir engagierte und gut ausgebildete Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter in Naturschutzbehörden, Nationalparks und staatlichen sowie nichtstaatlichen Organisationen. Studierende und junge Naturschützer müssen also nicht nur biologisches und ökologisches Wissen mitbringen, sondern auch Know-how im Management von Schutzgebieten oder Naturschutzprojekten haben. Diese Lücke füllt die Frankfurt Spring School on Conservation Project Management.

Was zeichnet die Teilnehmer aus, welche Fähigkeiten bringen sie mit?
Die Teilnehmer kommen mit ganz unterschiedlichen Erfahrungen und Fähigkeiten zur Frankfurt Spring School. Manche beginnen gerade ihr Masterstudium in Biologie, Ökologie, Umweltschutz oder Ähnlichem, andere arbeiten bereits in Naturschutzprojekten. Außerdem sind in jedem Jahrgang sechs Stipendiaten der KfW-Stiftung, die aus der Praxis kommen und bereits bei Naturschutzprojekten in Südamerika, Südostasien und Afrika arbeiten. So kommt ein Mix an akademischem und praktischem, angewandtem Naturschutzwissen zusammen. Alle eint die Überzeugung, dass wir etwas gegen den Klimawandel, die weltweite Umweltzerstörung und den Verlust an Arten und Lebensräumen unternehmen müssen.

Sie haben selbst bereits auf Galapagos in einem Naturschutzprojekt gearbeitet – woran haben Sie gemerkt, dass Sie mehr Wissen benötigen? Was wollten Sie unbedingt noch lernen?
Meine Promotion zum Thema „Life History Strategies and Population Dynamics in Galápagos Sea Lions“ an der Universität Bielefeld in Kollaboration mit dem Galápagos National Park und der Charles Darwin Foundation war mit einem Forschungsprojekt auf Galápagos verbunden; das Ziel war, zukünftige Entscheidungen im Naturschutzmanagement auf Galápagos zu erleichtern. Zu Beginn habe ich fast alleine das laufende Projekt übernommen. Ich wurde ins kalte Wasser geworfen und war noch ziemlich grün hinter den Ohren. Meine erste Feldsaison auf Galápagos war abenteuerlich: Unser Forschungsmaterial war auf der Reise irgendwo verloren gegangen und kam erst drei Tage später an, und das Zusammenleben mit drei Assistenten auf einer Insel, so groß wie zwei Fußballfelder, brachte auch so einige Komplikationen mit sich. Mehr Erfahrung in strategischer Planung, im Umgang mit Mitarbeitern sowie in Kommunikation und Öffentlichkeitsarbeit hätten mir den Einstieg sicher erleichtert. Klar habe ich über die Jahre viel dazu gelernt – learning by doing eben –, aber bei einigen Themen hilft es schon, wenn man vorher Tipps und Tricks von Experten bekommt. Heute weiß ich, wie wichtig es ist, Projektanträge von A-Z verfassen zu können, dabei Ahnung von strategischer Entwicklung und Business-Plänen zu haben und mit Finanzen und Budgets umgehen zu können. 

Frankfurt Spring School: Dr. Stephanie Kalberer
Koordinatorin Dr. Stephanie Kalberer

Nun zu den vier Wochen der Spring School im März 2019: Was hat Sie an dem Programm überrascht? Womit haben Sie nicht gerechnet? Von welchen Inhalten können Sie heute am meisten profitieren? Was hat Ihnen am meisten Spaß gemacht? Was hat Sie besonders beeindruckt?
Ich habe tatsächlich nicht damit gerechnet, eine so tolle Zeit zu erleben. Die vier Wochen waren mit die besten und lehrreichsten in meiner gesamten akademischen Laufbahn – es war inspirierend, praxisorientiert und ich bekam Einblicke, bei denen ich wünschte, ich hätte sie schon vor Jahren erhalten. Höhepunkte gab es viele. Schon die Begrüßung von ZGF-Geschäftsführer Christof Schenck am Einführungstag war eindrucksvoll. Er zeigte sehr deutlich, dass wir handeln müssen, wenn wir der nächsten Generation einen lebenswerten Planeten hinterlassen wollen. Auch das Training zur Projektplanung mit Martin Davies und Nick Folkard war bemerkenswert. Von Menschen unterrichtet zu werden, die bereits Millionen an Fördermitteln für Naturschutzprojekte auf der ganzen Welt eingeworben haben, ist sehr hilfreich. Bei aller Theorie hatten wir durch die Stipendiaten der KfW-Stiftung auch immer einen direkten Bezug zu realen Projekten. Das war sehr nützlich und etwas, wovon ich in Zukunft weiter profitieren werde. Auch Workshops zu Sozialkompetenzen und Personalführung haben mir neue Erkenntnisse vermittelt, die ich unmittelbar nach der Spring School bei meinen Forschungen auf Galápagos umsetzen konnte. Nicht zuletzt sind in den vier Wochen Freundschaften und ein Netzwerk entstanden, die ich nicht mehr missen möchte. Dass man in so kurzer Zeit so eng zusammenwächst, habe ich selten erlebt. Dies alles hat die Spring School zu dem gemacht, was sie war – einmalige vier Wochen, die ich gerne nochmal erleben würde.

Was hat Sie dazu bewogen, sich auf die Stelle als Koordinatorin der künftigen Spring School bei der ZGF zu bewerben? Worauf möchten Sie den Fokus bei Ihrer Arbeit legen?
Nach der diesjährigen Spring School war ich inspiriert, motiviert und auch dankbar, dass ich eine so lehrreiche Zeit mit so tollen Leuten verbringen durfte; nun möchte ich dazu beitragen, dass auch andere zukünftige Naturschutzprojektleiter dieselbe Erfahrung machen. Außerdem stehe ich voll und ganz hinter dem Konzept der Frankfurt Spring School on Conservation Project Management. Den Fokus meiner Arbeit möchte ich daher klar auf die Weiterführung und Optimierung der Spring School 2020 legen. Als Alumna liegt mir auch der Aufbau eines Spring-School-Alumni-Netzwerks am Herzen, das mit jedem Jahr wachsen wird. Denn ein starkes Netzwerk ist für erfolgreichen Naturschutz essenziell – zusammen erreicht man immer mehr als alleine.