Sichere Mieteinnahmen erzielen – und dabei Gutes tun

31.10.2019

„Vier eigene Wände machen einen Menschen frei“ – dieses persische Sprichwort trifft ganz besonders auf Frauen zu, die aus der Haft entlassen werden. Die eigenen vier Wände stehen für den ersehnten und notwendigen Neuanfang in einer sicheren Umgebung“

Die Metzler-Stiftung unterstützt auf diesem speziellen Weg die Suche nach Vermietern in und um Frankfurt, die ihre Ein- oder Zwei-Zimmer-Wohnungen (ca. 40-60 qm) an die „Anlaufstelle für straffällig gewordene Frauen“ vermieten möchten. Dachorganisation der Anlaufstelle ist die Arbeiterwohlfahrt Kreisverband Frankfurt e.V., kurz AWO, die auch der Mieter ist. Die Anlaufstelle möbliert die Wohnung und garantiert sowohl die sichere Mietzahlung als auch eine regelmäßige Betreuung der Frauen und ihrer Kinder. Dadurch hat der Vermieter eine hohe Sicherheit. Allerdings ist auch klar, dass die AWO als gemeinnützige Organisation keine Spitzenmieten bezahlen kann. Wir suchen daher nach Vermietern, die günstigen Wohnraum anbieten, ein sicheres Mietverhältnis anstreben und dabei ganz bewusst etwas Gutes tun möchten.

Oder aber wir finden Wohnungseigentümer, die ihre Wohnung an die AWO zu günstigen Konditionen verkaufen möchten. Denn mittlerweile geht die AWO auch diesen Weg, um den betreuten Frauen ein erstes neues Zuhause zu geben.

Sorgenkind „Anlaufstelle“: Die Metzler-Stiftung hilft seit über zehn Jahren

Die „Anlaufstelle für straffällig gewordene Frauen“ lernte ich als Vorsitzende der Metzler-Stiftung im Jahr 2008 kennen. Damals machte uns die AWO im Rahmen ihres Kinderfußballturniers für Frankfurter Schulen auf ihr ganz besonderes Sorgenkind aufmerksam: die Anlaufstelle. Diese Institution kämpft immer wieder um ihre Finanzierung, weil sich dafür nur sehr schwierig Spenden einsammeln lassen. Ganz klar, hier bestehen zunächst Berührungsängste, weil die straffällig gewordenen Frauen durchaus keine Unschuldslämmer sind. Jedoch sind ihre kriminellen Vergehen in der Regel viel weniger gravierend als die inhaftierter Männer. Sehr viele von ihnen sitzen sogenannte Erzatzfreiheitsstrafen ab, weil sie die geforderten Geldstrafen bei einer Verurteilung nicht bezahlen können, beispielsweise für Diebstähle oder mehrfaches Schwarzfahren.

Die in Hessen einmalige Anlaufstelle hilft straffällig gewordenen Frauen beim Aufbau einer neuen Existenz und Lebensperspektive. Sie bietet rund 50 bis 60 Frauen pro Jahr – die meisten davon haben Kinder – ein unterstützendes Netzwerk und hilft ihnen bei allen Fragen und Herausforderungen beim Neuanfang. Das umfasst die Unterstützung bei der Wohnungs- und Arbeitssuche, bei Behördengängen und der Schuldenregulierung bis hin zur Rechtsberatung, zur allgemeinen Lebens- und Konfliktberatung sowie zur Bereitstellung von Übergangswohnungen. Die Verbesserung von Lebenschancen aber ist der beste Schutz vor einer erneuten Straftat. Die Anlaufstelle arbeitet sehr erfolgreich: Die Rückfallquote von Frauen, die von der Anlaufstelle betreut wurden, liegt unter 10 %; bei anderen Haftentlassenen beträgt die Quote 60 bis 80 %. Die Arbeit der Anlaufstelle zahlt sich also aus: für die Frauen, für ihre Kinder und auch für die Gesellschaft.

Sylvia von Metzler, Vorstandsvorsitzende der Metzler-Stiftung
Sylvia von Metzler, Vorstandsvorsitzende der Metzler-Stiftung

Der beste Anker ist das Haus – deutsches Sprichwort

Eine sichere Wohnung ist die Voraussetzung dafür, dass sich eine aus der Haft entlassene Frau eine neue gesicherte Existenz aufbauen kann. Der Lebensweg vieler straffällig gewordener Frauen war schon vor der Inhaftierung nicht gradlinig. Die Erfahrungen zeigen, dass die Gefahr groß ist, bei mangelndem eigenem Wohnraum nach der Inhaftierung in prekäre, abhängige und potenziell gewalttätige Verhältnisse zurückzukehren. Leider ist der Wohnungsmarkt für Menschen mit geringem Einkommen oder für Empfänger von Leistungen zum Lebensunterhalt sehr angespannt. Selbst wenn das Anrecht auf eine Sozialwohnung besteht, ist auch in der Dringlichkeitsstufe 1 mittlerweile eine Wartezeit von zwei Jahren für ein erstes Wohnungsangebot nicht selten. Aus der Haft eine Wohnung anzumieten, ist nahezu unmöglich.

Die Anlaufstelle für straffällig gewordene Frauen verfügt seit vielen Jahren über vier Wohnplätze, die sie Frauen und Müttern nach ihrer Haftentlassung zur Verfügung stellt. Diese drei Wohnungen reichen nicht mehr aus.

Die Arbeiterwohlfahrt Kreisverband Frankfurt e.V. überlässt die angemieteten Übergangswohnungen den Frauen mit Kindern möbliert, bis sie eine eigene Wohnung gefunden haben. Die Bewohnerinnen bekommen einen auf sechs Monate befristeten Untermietvertrag, der bei Bedarf auf ein Jahr verlängert wird. Sie zahlen dann die Miete einschließlich Nebenkosten selbst, sofern sie einen Arbeitsplatz haben, oder beantragen die Übernahme der Miete beim Jobcenter.

Die „Anlaufstelle“ hält engen Kontakt zu den Frauen

Die wichtigste Voraussetzung für die Anmietung des Wohnraums ist der enge Kontakt der Frauen zur Anlaufstelle: Zu jeder Frau, die eine der Übergangswohnungen bezieht, wurde schon in der Haft Kontakt aufgenommen und ihre Entlassung vorbereitet. Anschließend wird sie weiterhin psychosozial beraten, unterstützt und begleitet. Die Betreuung der Frauen und Mütter in den Übergangswohnungen übernehmen zwei Mitarbeiterinnen der Anlaufstelle. Sie kümmern sich ausschließlich um die Frauen und ihre Kinder in den Wohnungen.

Während unserer Besuche in der Anlaufstelle und den Gesprächen mit den Mitarbeiterinnen haben wir immer wieder erlebt, wie viel Herzblut, fachliches Wissen und psychologisches Geschick die Arbeit prägen. Deshalb unterstützen wir die Anlaufstelle jetzt seit zehn Jahren immer wieder und schaffen es auch durch unser Netzwerk, Kontakte zu anderen Förderstiftungen herzustellen. Dieses Stiften zum Anstiften ist uns ein großes Anliegen. Wir freuen uns sehr, dass „Haus und Grund“ uns die Möglichkeit gibt, uns mit diesem Gastkommentar im „Privaten Eigentum“ für die Belange der Anlaufstelle einzusetzen, damit die wertvolle Arbeit der Anlaufstelle Beachtung und Unterstützung findet.

Erfahren Sie mehr über das Projekt Anlaufstelle für straffällig gewordene Frauen.